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Erfolgreicher Meilentörn auf der LeYa

  • 21. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Logbuch eines SBF See/SKS-Ausbildungsabenteuers: Erfolgreicher Meilentörn auf der LeYa

Zehn unvergessliche Tage auf der Ostsee liegen hinter uns – und was soll ich sagen: Wir sind wieder heil im Hafen angekommen, die Crew versteht sich noch und das Boot ist auch noch ganz. Besser geht's eigentlich nicht.

Unser Meilentörn auf der LeYa war ein voller Erfolg. Die angepeilten 250 Seemeilen haben wir mit stolzen 286 Seemeilen locker übertroffen. Windtechnisch wäre sogar noch mehr drin gewesen – aber irgendwann wollten wir ja auch mal wieder festen Boden unter den Füßen haben. Die Meilen waren am Ende ohnehin nur eine Zahl. Viel wichtiger waren die gemeinsamen Erlebnisse, das viele praktische Lernen und einfach die Zeit als Crew.


Unsere Besatzung war dabei eine bunte Mischung: Die erfahrenen Skipper Reinhard und Ilse, unser Mitsegler Daniele und wir drei Greenhorns aus einer Familie – meine Söhne Leon, Philipp und ich (Guido). Drei Anfänger auf einem Boot… da konnten Reinhard und Ilse ihre pädagogischen Fähigkeiten gleich auf Herz und Nieren testen.



Alles begann mit einem runden Geburtstag

Der Startschuss für dieses Abenteuer fiel im Juli 2025. Zu meinem 60. Geburtstag erfüllte mir meine Familie einen lang gehegten Wunsch: Endlich den Segelschein machen.

Kurz darauf standen wir beim „Tag der Ausbildung" des YCBL noch ziemlich ahnungslos vor Albrecht und fragten ganz naiv: „Was müssen wir eigentlich machen, um selbst mal eine Segelyacht chartern zu können?" Meine Segelerfahrung beschränkte sich bis dahin auf ein bisschen Mitsegeln auf dem Ijsselmeer.

Albrechts Antwort fiel erfreulich kurz aus: SBF See, SKS und Funkschein. Fertig.

Was er allerdings verschwieg: dass man dafür auch ein bisschen lernen muss und das Ganze zeitintensiver ist als sich diese paar Worte anhören…

Kaum war das ausgesprochen, sprang die Segelbegeisterung auch auf meine beiden Söhne über. Leon und Philipp meldeten sich ebenfalls an. Gemeinsam lernt es sich schließlich leichter – oder man verzweifelt wenigstens gemeinsam an der Navigation.

Vom Schulungsraum auf die Ostsee

Im Oktober 2025 begann der Theorieunterricht. Aus unserer anfänglichen Blauäugigkeit wurde ziemlich schnell großer Respekt vor der Verantwortung, die ein Schiffsführer trägt.

Der SBF See war gut machbar. Der SKS hingegen hatte deutlich mehr Tiefgang – im wahrsten Sinne des Wortes. Ende April 2026 hielten wir schließlich die bestandene Theorieprüfung in den Händen.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an das Organisationsteam und alle Ausbilder. Dass so viel Zeit und Engagement ehrenamtlich investiert werden, ist alles andere als selbstverständlich.

Ostsee
Ostsee

Pflaster, Schauerböen und Haferkekse

Gut vorbereitet ging es endlich aufs Wasser – und dort begann der eigentliche Spaß.

Die Stimmung an Bord war vom ersten Tag an hervorragend. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase brauchte niemand mehr große Anweisungen. Jeder wusste, was zu tun war, und packte selbstverständlich mit an. Trotzdem kam der Genuss nicht zu kurz. Die Wünsche aller Crewmitglieder wurden berücksichtigt, und so entwickelten sich unsere regelmäßigen Beilieger mit anschließender Espressopause fast schon zum festen Programmpunkt. Man könnte meinen, sie gehörten offiziell zum Ausbildungsplan – zumindest hätte wohl niemand dagegen protestiert.

Schon am zweiten Segeltag bekamen wir unseren ersten richtigen Test. Sechs Beaufort und etwa 1,5 Meter Welle sorgten dafür, dass wir unsere Seetauglichkeit gründlich überprüfen konnten. Dank der guten Vorbereitung durch Ilse und Reinhard sowie Ilses legendären Scopoderm-Zauberpflastern blieb uns das große Fischefüttern erspart.

Daniele hatte dafür das Vergnügen, sich wegen der bekannten Nebenwirkungen plötzlich an eine Lesebrille gewöhnen zu dürfen. Zum Glück war Ilse bestens vorbereitet. Obwohl ihre eigene Lesebrille schon beim ersten Ablegen über Bord gegangen war, hatte sie gleich mehrere Ersatzbrillen dabei. Segler lernen eben, auf alles vorbereitet zu sein.

Ein weiteres Erlebnis hat uns gezeigt, dass auf dem Wasser nicht der ursprüngliche Plan zählt, sondern die richtige Entscheidung. Eigentlich wollten wir unter der Fehmarnsundbrücke hindurchfahren. Vor Ort stellten wir jedoch fest, dass die dort hängenden Baugerüste die Durchfahrt deutlich knapper machten als erwartet.

Wir tasteten uns langsam heran, schätzten, rechneten und überlegten. Schließlich war klar: Es hätte vielleicht funktionieren können – aber eben nur vielleicht. Und genau dieses „vielleicht“ hat auf dem Wasser nichts verloren.

Also siegte die Vernunft. Wir verwarfen unseren Plan und nahmen eine andere Route. Auch das war eine wertvolle Lektion: Mit Reinhard und Ilse hatten wir Skipper an Bord, die nicht nur einen guten Plan hatten, sondern auch immer einen Plan B.

Auch kulinarisch entwickelten wir uns schnell zu einer eingespielten Selbstversorger-Crew. Fast täglich wurde gemeinsam gekocht – und natürlich durfte Reinhards nahezu unerschütterlicher Vorrat an Haferkeksen nicht fehlen. Vermutlich hätte man damit auch einen längeren Atlantiktörn bestreiten können. Wobei wir dann vielleicht etwas bewusster mit unserem Snackbedürfnis hätten haushalten müssen.

Seglerisch war jeder Tag ein Gewinn. Besonders die knackigen Schauerböen machten richtig Spaß – wenn man weiß, wie das Boot unter Kontrolle bleibt. Genau das vermittelten Reinhard und Ilse mit viel Geduld und einer beeindruckenden Gelassenheit.

Aus trockenen Theoriebegriffen wurden plötzlich echte Manöver. An- und Ablegen bei Wind, Wenden, Halsen, Reffen – vieles, was im Unterricht noch kompliziert klang, wurde auf einmal selbstverständlich. Und genau dieses Gefühl, ein Boot ruhig und kontrolliert zu beherrschen, war für uns Einsteiger wohl die größte Belohnung.

Als wir in den Heimathafen zurückkehrten, waren wir zwar noch lange keine alten Seebären – aber aus sechs unterschiedlichen Menschen war eine echte Crew geworden.

Ein rundum gelungener Törn, der vor allem eines gemacht hat: riesige Lust auf viele weitere Abenteuer unter Segeln mit dem YCBL.

 
 
 

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